Ihr Anwalt hat das Mandat niedergelegt?

Lesezeit: ca. 4 Minuten

Wenn der Anwalt das Mandat niederlegt, ist der Mandant in den meisten Fällen enttäuscht. Allerdings kann es gute Gründe geben, wieso ein Rechtsanwalt das Mandatsverhältnis beendet. Auch der Mandant hat unter gewissen Voraussetzungen das Recht, die Kooperation aufzuheben. Wir zeigen im Folgendem auf, welche Fälle es gibt, in denen ein Anwalt das Mandat niederlegen darf und wie Mandanten mit dieser Situation umgehen sollten. Bei Fragen zu diesem Thema und zum Rechtsgebiet der Anwaltshaftung können Sie sich gern an unsere Kanzlei wenden.

Das Mandatsverhältnis

 Bevor auf die Frage eingegangen werden kann, unter welchen Voraussetzungen ein Anwalt das Mandat niederlegen kann und darf, sollte verstanden werden, wie der Mandant mit dem Rechtsanwalt in rechtlicher Hinsicht zusammenhängt.

Der Zusammenarbeit zwischen Mandant und Anwalt liegt das Mandatsverhältnis zugrunde. Dies ist ein Vertrag zwischen den Parteien. Aus dem Anwaltsvertrag ergibt sich, dass sowohl der Anwalt, als auch der Mandant gewisse Pflichten bei der Zusammenarbeit zu erfüllen haben. In der Praxis ist es so, dass das Mandatsverhältnis nicht im Einzelnen durchgesprochen wird, und auch keine umfangreiche Vertragsunterlagen zur Verfügung gestellt werden, vielmehr ist es so, dass eine Vollmacht ausgestellt wird, mit der der Anwalt für den Mandanten tätig werden kann, und in einigen Fällen eine Honorarvereinbarung getroffen wird. Dadurch ist das Mandatsverhältnis im Grunde beschlossene Sache und die Bearbeitung seitens des Anwaltes kann losgehen.

Pflichtverletzung als Grund, das Mandat niederzulegen

 Ein Anwalt legt dann das Mandat nieder, wenn der Mandant eine Pflichtverletzung begangen hat, die so schwer ist, dass der Rechtsanwalt damit nicht mehr zurechtkommt. Aus dem oben benannten Mandatsverhältnis ergeben sich nämlich nicht nur für den Rechtsanwalt, sondern auch für den Mandanten Pflichten, die dieser unbedingt einhalten muss. Verletzt der Mandant die Pflichten aus dem Mandatsverhältnis, hat der Anwalt unter gewissen Voraussetzungen das Recht, das Mandat niederzulegen.

Hierbei muss es jedoch im konkreten Einzelfall immer um eine Interessenabwägung gehen. Eine mindere Pflichtverletzung, die unerheblich ist, erlaubt es dem Rechtsanwalt im Regelfall nicht, das Mandatsverhältnis zu beenden. Schwere Pflichtverletzungen hingegen schon.

Beispiele einer Pflichtverletzung, die das Niederlegen des Mandats begründen können

Wir möchten einige Beispiele dafür anbringen, welche Pflichtverletzungen im konkreten Einzelfall dazu führen können, dass der Anwalt das Mandat niederlegt.

Zunächst einmal hat der Mandant die Pflicht, den Anwalt umfassend über die relevanten Sachverhaltsangaben zu informieren. Konkret bedeutet dies, dass der Anwalt nur dann seine rechtliche Aufgabe erfüllen kann, wenn ihm alle notwendigen Informationen zum Fall vorliegen. Verschweigt ein Mandat also gewisse Umstände, wie beispielsweise den Hergang eines Verkehrsunfalles, kann der Anwalt letztlich nicht korrekt juristisch arbeiten. Bemerkt der Anwalt diese Pflichtverletzung des Mandanten, kann er womöglich das Mandat niederlegen. Denn auf dieser Grundlage ist eine gute Zusammenarbeit wohl kaum möglich.

Arbeit nicht nur mangelnde Informationen, sondern auch „Schlampigkeiten“ des Mandanten bei der Zusammenarbeit mit dem Anwalt können dazu führen, dass der Anwalt das Mandat niederlegt. Beispielsweise ist ein Rechtsanwalt auf Unterlagen wie Urkunden, Verträge und Material vom Mandanten angewiesen, um beispielsweise eine Klage samt aller relevanten Anhänge und Anlagen zu bearbeiten und einzureichen. Kommt der Mandant seiner Verpflichtung nicht nach, diese wichtigen Unterlagen zur Verfügung zu stellen, kann der Anwalt sich dazu entscheiden, das Mandat niederzulegen.

Schwerwiegendere Beispiele für eine Pflichtverletzung des Mandanten sind Fälle, in denen der Mandant sich dazu entscheidet, zu lügen oder zu betrügen. Beispielsweise könnte ein Mandant auf die Idee kommen, dem Anwalt falsche Sachverhaltsinformationen mitzuteilen, oder sonst wie Lügen zu verwenden, um dem Anwalt nicht korrekte Situationen vorzutäuschen. Der Anwalt vertraut dem Mandanten und bearbeitet den Fall juristisch Auflage dessen, was der Mandant mitgeteilt hat oder aber der Mandant versucht den Anwalt direkt zu betrügen, beispielsweise dann, wenn eine fällige Honorarvereinbarung nicht eingehalten wird. Bemerkt der Anwalt diese Lügen und Betrügereien des Mandanten, hat er das Recht, das Mandat niederzulegen.

Wie der Mandant auf das Niederlegen des Mandats reagieren sollte

 Falls Sie ein Betroffener sind, dessen Mandatsverhältnis durch den Anwalt beendet worden ist, sollten Sie sich zunächst einmal fragen, ob der Anwalt in nachvollziehbarer Weise gehandelt hat. Haben Sie Ihre Pflichten erfüllt oder nicht? Wenn Sie Ihre Pflichten nicht erfüllt haben, müsste man den konkreten Einzelfall bewerten um festzustellen, ob der Anwalt das Mandat niederlegen durfte. Haben Sie Ihre Pflichten hingegen erfüllt und der Anwalt legt das Mandat nieder, stellt sich die Frage wieso das passiert.

Hier wollen wir nicht nur auf die rechtlichen Begebenheiten eingehen, sondern auch aufzeigen, dass es wohl wenig sinnvoll ist, einen Anwalt in die Pflicht zu nehmen, das Mandat aufrechtzuerhalten, obwohl dieser keine Lust mehr dazu hat. Insbesondere scheint das Vertrauen erodiert, denn sonst ist das Mandatniederlegen für den Anwalt wohl keine gute Vorgehensweise. Ist das Vertrauen zwischen Mandat und Anwalt erst einmal zerstört, macht in den meisten Fällen eine weitere Zusammenarbeit ohnehin keinen Sinn mehr.

Wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihr Anwalt das Mandat ungerechtfertigterweise niederlegt, oder Sie sonst benachteiligt werden, können Sie sich gerne mit Ihrem Problem direkt an unsere Kanzlei wenden. Wir sind auf das Thema der Anwaltshaftung und Fälle spezialisiert, die das Mandatsverhältnis zum Gegenstand haben.

 
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Rechtsanwalt Thomas Feil in den Medien

8 Kommentare zu “Ihr Anwalt hat das Mandat niedergelegt?
  • 5. Juli 2018 um 18:19 Uhr
    christiane schulze solomon says:

    hallo. mein anwalt legte sein Mandat nieder nachdem ich schon 250E angezahlt habe. ständig schrie er mich an, betitelte mich derartig das ich depressiv nach hause ging. es handelte sich um Quittungen die sich nicht finden liessen und ich ihm immer wieder darauf hinwies das ich diese nicht habe , bzw. nicht finden konnte/kann. niemals hat er sich auch nur die mühe gemacht sich meine unterlagen anzuschauen. verlangte geld und meinte ich solle wieder kommen wenn ich die Quittungen habe. nun..6 Monate später bekomme ich eine Rechnung über fast 500 €. geht das? MFG

    • 10. Juli 2018 um 11:31 Uhr

      Guten Tag,

      es tut uns Leid, dass Sie schlechte Erfahrungen mit Ihrem Anwalt gemacht haben. Ob die Anwaltsrechnung gerechtfertigt ist, können wir nicht so einfach abschätzen.

      Mit freundlichen Grüßen
      Rechtsanwalt Thomas Feil

  • 2. Mai 2018 um 14:49 Uhr
    Waschk says:

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    kann ein RA sein Mandat niederlegen, wegen zu geringen Erfolgsaussichten bei Prozessführung?
    Vielen Dank für Ihre Antwort!
    MfG
    B.Waschk

    • 14. Mai 2018 um 09:38 Uhr

      Guten Tag,

      vielen Dank für Ihre Anfrage zur Anwaltshaftung. Wir setzen uns mit Ihnen per E-Mail in Verbindung.

      Mit freundlichen Grüßen
      Rechtsanwalt Thomas Feil

  • 23. April 2018 um 18:46 Uhr
    Steffanie Behrens says:

    Mein Anwalt hat ohne ersichtlichen Grund die Zusammenarbeit beendet. Nun stehe ich kurz vor einem Prozess ohne Anwalt dar. Daher würde ich Sie diese Woche gerne in Ihrer Kanzlei aufsuchen. Nehmen Sie doch bitte Kontakt bezüglich einer Terminvereinbarung mit mir auf. Vielen Dank.

    • 27. April 2018 um 08:18 Uhr

      Guten Tag,

      wir haben per E-Mail Kontakt mit Ihnen aufgenommen.

      Mit freundlichen Grüßen
      Rechtsanwalt Thomas Feil

  • 4. Februar 2018 um 12:09 Uhr
    Lunzner Franz, Donaustr. 5, 86633 Neuburg, 0172- 45 94 478 says:

    Mein Anwalt hat sein Mandat niedergelegt.
    Es geht hier um eine Forderung von ca. 20.000.–€ gegen einen unsere Kunden. Mein Anwalt hat mir eine Rechnung über 3033,91€ geschickt, 1.000,–€ hab ich anbezahlt, den Rest wollte ich nach dem Verhandlungstermin, der am 1.03.2018 vor am Landgericht Würzburg ist bezahlen. Alle Unterlagen habe wir unserem Anwalt vollständig ausgehändigt, der Vorgang zieht sich schon über 3 Jahre. Unser Anwalt hat mir selbst empfohlen den offen Betrag einzuklagen.
    Wie soll ich mit der Situation umgehen?

    • 5. Februar 2018 um 08:49 Uhr

      Sehr geehrte Damen und Herren,

      zuerst ist zu klären, wie SIe mit dem laufenden Prozess umgehen wollen und wer den Prozess weiterführt. Dann kann in Schritt 2 geprüft werden, ob die Rechnung in der geforderten Höhe berechtigt ist.

      Mit freundlichen Grüßen

      Thomas Feil
      Rechtsanwalt

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