Verbotene eBay Bewertungen

Rechtsberatung Anwalt Kanzlei HannoverEine schlechte eBay Bewertung. Was zunächst wie ein harmloses Ärgernis des täglichen Lebens aussieht, kann im konkreten Einzelfall zu einem einkommensbedrohenden Zustand werden. So kleinlich es auch klingen mag, eine schlechte eBay Bewertung kann den Verfasser sogar vor Gericht bringen.

Das Ringen um Bewertungen

Das Prinzip eBay basiert zu einem sehr großen Teil auf einem Bewertungssystem. Potenzielle Käufer sehen sich vor dem Kauf eines Artikels in aller Regel die Bewertungen des Verkäufers an, um das Risiko eines Fehlkaufs und Ungereimtheiten in der Vertragsabwicklung zu minimieren. Negative Bewertungen eines Verkäufers können im Ergebnis also leicht dazu führen, dass ein Interessent die Kaufsache eher von einem anderen Anbieter mit durchweg positiven Bewertungen kauft.

Wenn man sich diese Bedeutung einer negativen Bewertung vor Augen hält, wird der Gang vor Gericht aufgrund einer eBay Bewertung eines unzufriedenen Käufers, insbesondere wenn das Einkommen mit Verkäufen über eBay bestritten wird, viel verständlicher.

Kaufwarnung in einer Bewertung

In einem Fall vor dem Amtsgericht Bonn (Urteil vom 09.01.2013, Az. 113 C 28/12) hatte der Beklagte folgende Bewertung in dem Profil der Klägerin hinterlassen:

“VORSICHT!!!! beide Steuergeräte defekt Vorsicht lieber woanders kaufen!!!!!!”

Der schlechten Bewertung ging ein Kaufvertrag über zwei Steuergeräte voraus. Nach dem Versand meldete sich der Käufer nicht bei der Klägerin. Diese wusste daher auch nicht, dass beide Geräte (im Prozess streitig und offen geblieben) defekt waren. Anstatt der Verkäuferin eine Möglichkeit zur Reparatur bzw. Neulieferung zu geben, hinterließ der enttäuschte Beklagte die plakative Bewertung auf dem eBay-Profil der Verkäuferin. Sein gutes Recht, fand der Beklagte und beteuerte im Prozess seine Äußerungen seien verhältnismäßig.

„Es interessiere Kunden schon allein, ob die Verkäufer ordnungsgemäß Ware lieferten. Seine Bewertung sei nicht irreführend, sondern es sei klar, dass sie allein auf dem Defekt der Geräte beruhten. Zu der Vertragstreue der Klägerin habe er einfach keine Aussage gemacht und die Bewertung lasse keinen Schluss darauf zu.“

Dieser Ansicht konnte das Gericht jedoch nicht zustimmen. Zwar brauche der Kunde vor einer negativen Bewertung keinen Kontakt zu dem Verkäufer aufnehmen, jedoch darf er den Verkäufer durch eine Bewertung nicht in ein derart schlechtes Licht stellen, dass falsche Vorstellungen von dessen Leistungen hervorgerufen würden. Insbesondere ließe die hier abgegebene Bewertung darauf schließen, dass der Verkäufer nicht zur Mängelbehebung bereit sei, was nicht der Wahrheit entspreche, wenn der Käufer nicht einmal versucht habe die Kaufsache zu reklamieren.

Durch die extreme Formulierung inklusive einer Kaufwarnung wurde daher ein Löschungsanspruch begründet und zwar selbst wenn tatsächlich beide Geräte defekt gewesen sein sollten. Auf diese Frage kam es daher im Ergebnis auch nicht an.

 
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Rechtsanwalt Thomas Feil in den Medien

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