Ticketverlust – was können Sie tun?

Stellen Sie sich vor, Sie wollen in den wohlverdienten fliegen, aber die Tickets sind noch nicht eingetroffen. Die Agentur, bei der Sie die Reise gebucht haben, teilt Ihnen mit, dass die Tickets bereits vor Wochen per Post versandt wurden. Was tun? Können Sie dennoch mitfliegen? Woher erhalten Sie auf die schnelle neue Tickets? Wer kommt für die zustätzlichen Kosten auf?

Koffer wieder auspacken? – Nein!

Immer mehr Urlauber buchen ihre Eintrittskarten für die schönste Zeit des Jahres über das Internet. Die Vorteile der Online-Buchung liegen auf der Hand: 7 Tage rund um die Uhr umfassende, aktuelle Informationen über Preise und Angebote sowie Abfrage der Verfügbarkeit bei den Airlines.

Allerdings sind die Vorteile schnell vergessen, wenn das nicht rechtzeitig vor der Abreise eintrifft oder gar auf dem Postweg verloren geht. Zwar versichern die Reiseagenturen, dass es angesichts der Vielzahl der verschickten Unterlagen sehr selten vorkommt, dass Material verloren geht. Aber ausschließen lässt es sich nicht.

 

 

 

Anspruch auf Beförderung bleibt bestehen

 

Die gute Nachricht zuerst: Der Anspruch des Kunden auf den Flug bleibt auch dann bestehen, wenn das Ticket zu spät oder gar nicht eintrifft. Das Flugticket dient lediglich als Nachweis dafür, dass ein Beförderungsvertrag zwischen dem Reisenden und der Airline besteht. Denn meist erfolgen die Buchungen nicht bei der Airline direkt, sondern über Vermittler, wie Reisebüros oder On-line-Anbieter. Entscheidend für das Recht befördert zu werden, ist der Vertrag selbst. Bei Online-Buchungen kommt der Beförderungsvertrag bereits vorher mit der Buchung per Internet zustande. Und zwar genau dann, wenn der Kunde eine elektronische Bestätigung seiner Buchung vom Anbieter erhält. Denn seit dem 21.12.2001 sind elektronische Verträge erst wirksam, wenn dem Kunden eine elekronische Bestätigung seiner Bestellung zugengangen ist. So schreibt es der neu eingefügte § 312e des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) vor. Mit einer solchen Buchungsbestätigung kann der Reisende bei der Air-linevertretung am Flughafen seine Berechtigung zur Mitnahme nachweisen. Im Zusammenhang mit seinem Personalausweis kann er so die Ausstellung eines Ersatztickets verlangen. Den Airlines stehen an ihren Flugscheinschaltern alle Passagierdaten, die zur Erstellung eines Tickets erforderlich sind, zur Verfügung. Zudem wird der Kunde mit der erfolgreichen Buchung – und nicht erst mit Zugang der Tickets beim Reisenden – auf die Passagierliste der Airline gesetzt. Personen, die auf der Passagierliste stehen, haben das Recht, mitzufliegen.

 

 

 

Wer auf der Passagierliste steht, darf mitfliegen

 

Denn anders als beim öffentlichen Personennahverkehr, bei dem die Anzahl der Fahrgäste unbestimmt ist, werden bei Flügen die Passagiere namentlich einzeln erfasst. Daher gilt im Flugverkehr neben dem Ticket auch die Passagierliste als gültiger Nachweis für die Beförderungsberechtigung. In der Straßenbahn hingegen zählt allein der gültige Fahrschein.

 

 

 

Aber wer trägt die Kosten für die Ausstellung der Ersatztickets? Diese Mehrkosten trägt grundsätzlich der Anbieter der Reise, also die Airline oder der  Vermitler. Es gehört zur Vertragspflicht des Anbieters, dem Reisenden die erforderlichen Reisedokumente bereitzustellen. Denn im Flugverkehr dient der Flugschein als Nachweis für die Berechtigung des Reisenden zur Mitnahme. Es gilt der Grundsatz: Ohne Ticket kein Flug! Daher hat der Anbieter der Reise, sei es die Airline selbst oder ihr Vermittler, dafür Sorge zu tragen, dass der Kunde seine Tickets erhält. Anderenfalls haben sie ihren Vertrag nicht erfüllt und können nicht die Zahlung des Reisepreises vom Kunden verlangen. Wie die einzelnen Anbieter diese Pflicht erfüllen, bleibt ihnen überlassen. Die Airline oder der Reiseveranstalter muss im Zweifelsfalle beweisen, dass dem Kunden das Ticket zugegangen ist.

 

 

 

Buchen sie ihren Flug nach San Francisco bei traveloverland.de, so muss Travel Overland sicherstellen, dass sie die Tickets rechtzeitig erhalten. Wählt die Firma dafür den Postweg, trägt sie auch das Risiko, dass die Unterlagen auf dem Weg zum Kunden verloren gehen. Daher muss in diesem Fall Travel Overland auch die zusätzlichen Gebühren für die Ausstellung neuer Dokumente übernehmen.

 

 

 

Anbieter trägt Kosten für Ersatztickets

 

Es ist unzulässig, diese Zusatzkosten auf den Kunden abzuwälzen. Derartige Klauseln in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) der Anbieter sind unwirksam, wenn der Reisende den Verlust des Tickets nicht verschuldet hat. Für die Kostentragung spielt es keine Rolle, dass es auch der Anbieter nicht verschuldet hat, dass die Unterlagen auf dem Postwege verloren gehen. Er trägt das Transportrisiko.

 

 

 

Hat der Reisende den Verlust der Reiseunterlagen nicht verschuldet, so trägt der Anbieter die Kosten für die Ersatzdokumente.

 

 

 

Aber: Anders ist der Fall, wenn bspw. Karstadt-Reisen anbietet, die via Internet gebuchten Tickets im örtlichen Karstadt-Reisebüro zur Abholung bereitzulegen oder sie am Flugscheinschalter zu hinterlegen. Wünscht der Kunde dennoch ausdrücklich, dass ihm die Unterlagen per Post zugeschickt werden und gehen sie auf dem Weg verloren, haftet der Kunde. Mit dem Versendungswunsch hat der Reisende das Transportrisiko der Dokumente übernommen. Folglich trägt der Kunde und nicht Karstadt die Kosten für die Ausstellung eines neuen Flugscheins. Das gilt, wenn der Reisende die Unterlagen verliert oder bei der verabredeten Zustellung nicht zu Haus war. Dann trägt der Reisende die volle Verantwortung für den Verlust und hat für die Zusatzkosten aufzukommen.

 

 

 

In den meisten Fällen erstellen die Mitarbeiter des Reisebüros neue Dokumente. Sofern es ihnen von den Airlines nicht gestattet ist, ein Ticket doppelt auszustellen, muss das weitere Vorgehen mit der Airline individuell abgesprochen werden. Wie weiter verfahren wird, hängt davon ab, wieviel Zeit noch zur Abreise verbleibt. Entweder werden die Ersatzdokumente erneut zugeschickt oder es wird ein neues Ticket direkt am Flugscheinschalter ausgestellt. Bei internationalen Flügen wird gegen Gebühr ein neuer weltweit gültiger Flugschein erstellt. Handelt es sich um einen innerdeutschen Flug, muss der Reisende zunächst ein neues Ticket kaufen. Der alte Flugschein wird automatisch gesperrt. Wird das alte Ticket nicht eingelöst, ersetzt die Airline dem Kunden den Wert. Allerdings erst drei Monate nach Ablauf der Gültigkeit des Tickets.

 

 

 

In Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) der Airlines finden sich Klauseln, nach denen der Kunde die Kosten für Ersatzdokumente für all die Fälle trägt, in denen die Airline/ Online-Anbieter den Verlust nicht zu vertreten hat. Derartige Klauseln gelten nur, wenn der Kunde den Verlust verursacht hat.

 

 

 

Neu: elektronische Buchung muss elektronisch bestätigt werden

 

Grundsätzlich stellen die Webseiten der Internetanbieter noch kein Vertragsangebot dar. Sie sind vielmehr eine unverbindliche Aufforderung an den Kunden, dem Anbieter ein konkretes (Kauf-)Angebot für eine Ware oder eine Dienstleistung zu machen. Anders bei Flügen, Pauschalreisen sowie Last-Minute-Reisen, die im Internet angeboten werden. Hierbei sind die Webseiten so konkret ausgestaltet, dass sie ein verbindliches Vertragsangebot des Anbieters darstellen. Der Kunde nimmt das Angebot mit einem Mausklick verbindlich an. Mit dem „klick“ wurde der Vertrag bisher für beide Seiten wirksam. Hier hat es eine wichtige Gesetzesänderung gegeben. Seit dem 21.12.2001 sind Online-Anbieter verpflichtet, elektronisch eingegangene Buchungen auf elektronischem Wege umgehend zu bestätigen. Erst wenn der Kunde die elektronische Buchungsbestätigung erhalten hat, ist der Vertrag wirksam. Erst dann braucht der Reisende den Kaufpreis zu zahlen. Diese und einige andere für die Praxis bedeutenden Neuregelungen für elektronische Verträge sind in § 312e des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) geregelt.

 

 

 

Gleichfalls verpflichtet § 312e BGB die Internet-Anbieter, den Verbrauchern alle wichtigen Vertragsinformationen in ausdruckbarer und abspeicherbarer Form zuzusenden. Hiermit ermöglicht der Gesetzgeber dem Verbraucher einen Nachweis für den elektronischen Vertrag und schafft Vertrauen im elektronischen Geschäftsverkehr. Dem Reisenden stehen unmittelbar nach der Online-Buchung alle nötigen Flugdaten in schriftlicher Form zur Verfügung, um sein Recht nachzuweisen. Es ist zu empfehlen, die Bestätigung auszudrucken und als mögliches Beweismittel aufzubewahren.

 

 

 

Grundsätzlich sollten sich Reisende stets an die Stelle wenden, bei der sie die Tickets erworben haben, wenn diese verspätet oder gar nicht ankommen. Wurden bspw. die Lufthansa Tickets über traveloverland.de gebucht, wenden sie sich an Travel-Overland, nicht gleich an die Lufthansa. Die Online-Händler bieten hierfür Hotlines oder Buchungstelefone an. Besteht die Airline darauf, dass der Reisende die Kosten für ein neues Ticket zahlt, sollte die Zahlung ausdrücklich unter Vorbehalt der Rückforderung erfolgen. Nur so kann die Summe später zurückgefordert werden.

 

 

 

Elektronische Tickets – der sichere Weg

 

Die einzige Möglichkeit diese Risiken zu umgehen, stellt das E-Ticketing dar. Sowohl bei den Reisebüros um die Ecke als auch bei der Buchung über das Internet können sie sich elektronische Tickets ausstellen lassen. Bei der einen Airline heisst dieser Service „ITIX“ und bei einer anderen „AB-TIX“. Das dahinter stehende System ist allerdings das gleiche. Der Kunde bucht bei einem Reisevermittler oder bei der Airline direkt seinen Flug. Nachdem er die Option E-Tickets gewählt hat, erfolgt die Zahlung per Kreditkarte oder per Miles & More Karte. Unter der jeweiligen Kartennummer des Kunden wird dann der Flugschein mit der Flugscheinnummer gespeichert, aber nicht ausgedruckt.

 

 

 

Am Abflugtag kann sich der Kunde das Ticket unter Eingabe seiner Kreditkartennummer bzw. Miles & More Karte an einem Automaten am Flughafen selbst ausdrucken. Oder er erhält die Boardkarte für den gewünschten Flug bei Vorlage eines gültigen Personaldokuments am Check-In Schalter.

 

 

 

Mit E-Tickets lässt sich also nicht nur das Risikio des Postweges ausschließen. Es bewahrt auch davor, auf dem Weg zum Flughafen in letzter Sekunde das Ticket zu Hause zu vergessen oder zu verlieren.

 

 

 

 

 

Unsere Tipps:

 

 

 

  • ·         Lassen Sie die Tickets am Flugscheinschalter der Airline hinterlegen. Das riskante Versenden per Post entfällt. Ohne Angst das Ticket in letzter Minute zu Haus zu vergessen, können Sie es ganz bequem am Flughafen abholen.

 

 

 

  • ·         Elektronische Tickets nutzen. Zahlreiche Fluglinien und Reiseagenturen bieten die Möglichkeit an, die Tickets direkt am Flughafen auszudrucken. Kein Postversand. Sie selbst entgehen dem Risiko, das Ticket in letzter Minute vor Abreise zu Haus zu vergessen oder zu verlieren.

 

 

 

  • ·         Datum des voraussichtlichen Ticket-Eingangs notieren. Klären Sie bereits bei der Buchung ab, wann und wie die Tickets versandt werden. Notieren Sie sich das Datum des voraussichtlichen Eingangs der Tickets. So erkennen Sie frühzeitig den Verlust oder die Verspätung. Das minimiert den Stress und schafft Zeit, Ersatzdokumente zu besorgen.

 

 

 

  • ·         Sofortige Rückfrage mit der Buchungsagentur. Treffen die Tickets an diesem vorgesehenen Datum (plus 2-3 Karenztage) nicht bei Ihnen ein, fragen Sie sofort bei Ihrem Reisebüro nach. So bleibt genügend Zeit, um die Sache zu klären und evtl. neue Tickets auszustellen.

 

 

 

  • ·         Fragen Sie beim Postamt nach. Können die Tickets nicht zugestellt werden, verwahrt oft das örtliche Postamt diese für einige Zeit auf.

 

 

 

  • ·         Zahlung der Ersatztickets nur unter Vorbehalt der Rückforderung. Besteht die Airline auf eine Gebühr für die Ausstellung von Ersatztickets oder den Kauf eines neuen Tickets, dann behalten sie sich ausdrücklich die Rückforderung der Summe vor.

 

 

 

 

 
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