Bitcoin – Ein Experten-Interview

Das Internet erlaubt die verschiedensten Innovationen. Dabei macht die Entwicklung vor keinem Bereich der Gesellschaft halt – auch nicht vor Währungen. So gibt es schon seit einiger Zeit die Internet-Währung Bitcoin. Diese findet ihren Weg immer weiter in unsere Gesellschaft. Insbesondere in Online-Shops entdeckt man Bitcoins immer öfter als Zahlungsmittel; sie dienen aber auch als Spekulationsmittel. Dabei unterliegen Bitcoin keiner Banken-Regulation oder Regierungskontrolle. Außerdem werden Bitcoins durch so genanntes Mining gewonnen.

Wir haben in diesem Zusammenhang mit Ass. Iur. Alan Dahi, LL.M. (Auckland) gesprochen. Herr Dahi ist Mitarbeiter am Institut für Rechtsinformatik der Leibniz Universität Hannover, Dozent auf der IN SITU Summer School und Unternehmer. Sein Unternehmen akzeptiert Bitcoins.

Recht-Freundlich: Guten Tag, Herr Dahi. Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit nehmen, um mit uns über Bitcoin zu sprechen. Könnten Sie uns zunächst erklären, was Bitcoin eigentlich ist?

Dahi: Guten Tag und vielen Dank für diese Möglichkeit.

Bitcoin kann man sich als digitale, dezentrale und private Währung vorstellen.

  • Digital, weil jeder Bitcoin durch Computer mathematisch errechnet werden muss. Einzelne Teilnehmer stellen dem Netzwerk eine hohe Rechenleistung zur Verfügung, um Transaktionen zu bestätigen und dadurch neue Bitcoins zu erzeugen.
  • Dezentral, weil es keine Zentralbank gibt, welche die Währung verwaltet, und weil das Bitcoin-Netzwerk eine Peer-to-Peer-Struktur aufweist. Sämtliche Transaktionen werden durch die Teilnehmer selbst abgewickelt und in einer öffentlichen Datenbank (dem sog. „Blockchain“) registriert. Die Teilnehmer sind untereinander über das Internet vernetzt. Dafür wird ein sog. Bitcoin-Client verwendet, eine spezielle Software.
  • Privat, weil kein Staat dahinter steckt. Satoshi Nakamoto, eine anonyme Figur, hat 2008 das Konzept hinter Bitcoin vorgestellt und schon 2009 wurden die ersten Bitcoins erzeugt.

Recht-Freundlich: Wie werden Bitcoins im Zahlungsverkehr gewertet?

Dahi: Bitcoins können bis zur achten Dezimalstelle geteilt werden. Der gegenwärtige Bitcoin-Kurs (Stand 15.9.14) liegt bei ca. € 370. Der Kurs kann allerdings sehr stark und schnell schwanken. Seit Oktober 2013 bis heute hatten wir Kurse von ca. € 100 bis € 850.

Im Onlinehandel gibt es grundsätzlich zwei verschiedene Möglichkeiten, Bitcoins zu akzeptieren. Entweder nimmt der Händler Bitcoins direkt an, oder er verwendet einen Zahlungsdienstleister, der die Bitcoins für den Händler direkt in Euro tauscht, abzüglich einer kleinen Gebühr. Letztere Möglichkeit bedeutet, dass der Händler niemals direkt Bitcoins in seinen Händen hält. Das ist für viele Händler wegen des Kursrisikos eine attraktive Lösung.

Recht-Freundlich: Wie sinnvoll ist Bitcoin-Mining?

Dahi: Bitcoin-Mining, also das oben erwähnte Errechnen von Bitcoins, ist mit einem normalen Laptop oder Desktop nicht mehr rentabel. Die enorme Rechenleistung, die für das Errechnen von neuen Bitcoins notwendig ist und die gestiegenen Strompreise machen das Mining zu einem Verlustgeschäft. Nur mit besonderen Rechnern und günstigem Strom, wie z.B. auf Island, lohnt sich das Mining noch. Zudem steigt die Schwierigkeit des Minings in festgelegten Abständen.

Recht-Freundlich: Gibt es Alternativen zum Bitcoin?

Dahi: Die gibt es reichlich. Der digitale Währungsmarkt ist heiß umkämpft. Die einzelnen Währungen versuchen sich durch neue Features abzuheben. Manche Währungen bieten z.B. eine schnellere Errechnung der einzelnen Transaktionen, andere eine echte bzw. höhere Anonymität. Ich sage „echte“ Anonymität, denn wirklich anonym sind Bitcoin-Transaktionen nicht. Wegen der Nachverfolgbarkeit von Transaktionen in der öffentlichen Datenbank bietet Bitcoin eher eine Pseudonymität. Kennt man z.B. eine Partei einer Transaktion, kann man grundsätzlich die Transaktionen dieser Partei nachverfolgen.

Von allen digitalen Währungen hat Bitcoin aber immer noch bei weitem den höchsten Marktwert. Er nähert sich gegenwärtig 7 Milliarden USD. Auf den Plätzen 2 und 3 sind Litecoin und Ripple mit ca. 180 000 USD bzw. 140 000 USD.

Sehr spannend ist, dass die Blockchain-Technologie von Bitcoin sich über ein bloßes Kassenbuch hinaus entwickelt. Einige Ideen, die man mit der Blockchain-Technologie umsetzen möchte, sind sogenannte „Smart Contracts“ und „Decentralised Autonomous Corporations“.

Smart Contracts sind, vereinfacht, sich selbst ausführende bzw. durchsetzende Verträge. Eine sehr primitive Variante eines Smart Contracts sind Verkaufsautomaten. Wirft man den richtigen Geldbetrag für das gewählte Produkt ein, bekommt man es übereignet. Mit der Blockchain-Technologie kann man diese Idee eines Automatismus weiterspinnen. Die Parteien vereinbaren Bedingungen und Ziele und kodieren diese in das Blockchain, sodass bei Eintritt der Bedingungen (es regnet und die Temperatur sinkt unter 10° C) das Ziel (mein Kind bekommt Zugriff auf das Familienfahrzeug, um an die Uni zu fahren) automatisch umgesetzt wird.

Decentralised Autonomous Corporations („DAC“) kann man sich als autonom handelnde „Unternehmen“ vorstellen. Die Handlungsregeln sind im Blockchain festgeschrieben und das DAC agiert entsprechend – sei es bei Nachrichten über Unruhen im Mittleren Osten Öl zu kaufen, oder Wohnungen an Personen, die bestimmte Kriterien erfüllen, zu vermieten.

Recht-Freundlich: Herr Dahi, wir danken Ihnen für dieses aufschlussreiche und informative Gespräch.

 
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Rechtsanwalt Thomas Feil in den Medien

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