Abmahnung wegen Ticketverkauf auf eBay

In zahlreichen der Allgemeinen Ticket Geschäftsbedingungen (ATGB) über den Fußballkarten- und Ticketerwerb von Mannschaften der Fußball-Bundesliga finden sich Klauseln, welche die Rückgabe von Tickets oder die Erstattung des Eintrittspreises für eine Vielzahl von Fällen ausschließt. Da somit die Tickets nicht zurückgegeben werden können, wenn der Spieltagstermin mit anderen Terminen kollidiert, verkaufen die Ticketinhaber die Tickets für die Spiele der Fußball-Bundesliga auf andere Weise – beispielsweise über eBay. Hierbei wird oft übersehen, dass die Allgemeinen Ticket Geschäftsbedingungen des Veranstalters oftmals zusätzliche Regeln darüber aufstellen, wie das Ticket weiter verkauft werden darf.

Grade Fußballfans erleben in den letzten Jahren daher eine Abmahnflut, wenn sie Tickets eines Fußballvereins auf eBay verkaufen. Meist dauert es nicht lang, bis eine Abmahnung des Fußballvereins eintrudelt, weil Rechte der dahinterstehenden Gesellschaft verletzt worden sein sollen. Dies hat mehr und mehr zur Unsicherheit der Verkäufer geführt: Darf man legal erworbene Tickets für Fußballspiele online verkaufen oder auf eBay versteigern? Der vorliegende Beitrag soll dies beleuchten.

Berechtigt das Eigentum am Ticket nicht zum Verkauf?

Wenn Tickets für ein Bundesliga-Spiel legal bei einer der offiziellen Vorverkaufsstellen gekauft wurde, geht der Laie oftmals davon aus, dass er hiermit das Eigentum an den Tickets erworben hat und daher mit den Tickets nach Belieben verfahren kann. Hierzu gehört natürlich auch der Wiederverkauf, wobei oftmals sogar ein Gewinn winkt, wenn die Tickets für ein besonders gefragtes Spiel gültig sind. Generell erwirbt der Käufer mit dem Kauf der Tickets tatsächlich das Eigentum an diesen, rechtlich bezeichnet den sogenannten Inhaberpapieren gemäß § 807 BGB. Aussteller der Tickets, also dieser Inhaberpapiere ist der jeweilige Fußballverein, der die Leistung dem Käufer des Tickets gegenüber erbringen will. Diese Leistung liegt im Zutritt zu einem Bundesligaspiel. Der Inhaber des Tickets hat nach Vorlage desselbigen daher einen Rechtsanspruch auf Zugang zum Stadion.

Dieses Zutrittsrecht folgt dem Besitz der Karte, sodass immer derjenige den Zutritt verlangen kann, der das Ticket in den Händen hält. Das Zutrittsrecht kann daher relativ einfach durch Übergabe des Tickets an eine andere Person übertragen werden.

Grade aufgrund der potentiellen Gewinnmöglichkeiten gewann der Schwarzmarkt in den letzten Jahrzehnten immer mehr an Bedeutung. Dabei war vor dem digitalen Wandel die Bekämpfung jedoch leichter zu bewerkstelligen. Der Schwarzmarkt hing größtenteils von Zwischenhändlern ab, welche frühzeitig eine Vielzahl von Tickets kauften und mit diesen unmittelbar vor dem Spiel vor dem Stadion mit den Tickets warteten.

Die Bekämpfung war deshalb rechtlich einfach durchzusetzen, da die Tickets als Inhaberpapiere rechtlich als Wertpapiere eingeordnet werden (Wertpapiere sind Urkunden, die einen Wert beinhalten). Sollen Gütern außerhalb des eigenen Geschäftssitzes angeboten werden, so gilt dies als genehmigungspflichtiges Reisegewerbe. § 56 Abs. 1 lit. h der Gewerbeordnung (GewO) hat die Veräußerung von Wertpapieren im Reisegewerbe jedoch grade untersagt, sodass es möglich war, den Handel vor den Stadien weitgehend zurückzudrängen.

Ein durch den digitalen Wandel immer beliebter und vielfach genutzter Weg, Karten zu veräußern, ist die Versteigerung über eBay und andere entsprechende Plattformen. Die Veräußerung der Tickets im Online-Bereich kann nicht mit der GewO angegriffen werden, da dies kein Reisegewerbe darstellt. Somit waren andere Maßnahmen nötig, um den Online-Schwarzmarkt einzudämmen. Um dem technischen Fortschritt nicht hinterher zu hinken, haben die Fußballvereine nunmehr jedoch Klauseln in die Allgemeinen Ticket Geschäftsbedingungen eingefügt, um den Schwarzmarkt im Online-Bereich bekämpfen zu können. Auch derjenige, welcher die Tickets legal erwirbt, kann daher nicht einfach damit verfahren, wie es ihm beliebt.

Die Allgemeinen Ticket Geschäftsbedingungen

Die Allgemeinen Ticket Geschäftsbedingungen sind im Grunde nichts anderes als „normale“ Allgemeine Geschäftsbedingungen, wie sie gesetzlich in den §§ 305 ff. BGB geregelt sind. Nach § 305 BGB sind allgemeine Geschäftsbedingungen für eine Vielzahl von Verträgen vorformulierten Vertragsbedingungen, welche eine Vertragspartei (Verwender) der anderen Vertragspartei bei Abschluss eines Vertrags stellt. Allgemeine Geschäftsbedingungen liegen nicht vor, soweit die Vertragsbedingungen zwischen den Vertragsparteien im Einzelnen ausgehandelt sind, was bei den Allgemeinen Ticket Geschäftsbedingungen nicht der Fall ist.

Nach § 305 Abs. 2 BGB werden Allgemeine Geschäftsbedingungen nur dann Bestandteil eines Vertrags, wenn der Verwender (also der Fußballverein) bei Vertragsschluss die andere Vertragspartei (den Käufer des Tickets) ausdrücklich oder, wenn ein ausdrücklicher Hinweis wegen der Art des Vertragsschlusses nur unter unverhältnismäßigen Schwierigkeiten möglich ist, durch deutlich sichtbaren Aushang am Orte des Vertragsschlusses auf sie hinweist und der anderen Vertragspartei die Möglichkeit verschafft, in zumutbarer Weise von ihrem Inhalt Kenntnis zu nehmen, und wenn die andere Vertragspartei mit ihrer Geltung einverstanden ist. In der Praxis erfolgt dieser Hinweis je nach Vertriebsart durch einen hervorgehobenen Aushang am jeweiligen Verkaufsstand beim Kauf direkt an einem Schalter, durch einen verbalen Hinweis im automatisierten Ticket-Call-Center bei telefonischer Bestellung oder durch einen Hinweis samt Link zu den ATGB bei des Online-Bestellung.

In erster Line sind in den Allgemeinen Ticket Geschäftsbedingungen sicherheitstechnische Aspekte angesprochen, beispielsweise das Recht, gewaltbereiten Besucher den Zugang zu verwehren, die unterschiedlichen Fanblöcke voneinander abzukapseln oder das Stadionverbot durchzusetzen. Wegen des Schwarzmarktes finden sich aber grade die Klauseln für den Weiterverkauf immer häufiger in den ATGB.

Die Voraussetzungen des Ticketverkaufs

Wann und mit welchen Voraussetzungen der Verkauf eines Tickets erlaubt ist, ergibt sich also aus den Allgemeinen Ticket Geschäftsbedingungen der Fußballvereine. Prominente Beispiele für Verwender solcher Klauseln in den Allgemeinen Ticket Geschäftsbedingungen sind etwa die FC Bayern München AG, die Borussia Dortmund GmbH & Co KGaA, die FC Schalke 04 Arena Management GmbH oder die HSV-Arena GmbH & Co. KG, wobei mittlerweile fast alle Bundesligisten solche Klauseln in den Allgemeinen Ticket Geschäftsbedingungen nutzen. Wann darf ich also ein Ticket für ein Spiel einer solchen Mannschaft verkaufen?

In den Klauseln der Allgemeinen Ticket Geschäftsbedingungen finden sich oftmals Formulierungen wie diese, dass der Erwerb von Karten nur zum privaten Gebrauch gestattet und ein Erwerb zum gewerblichen oder kommerziellen Weiterverkauf ohne die Zustimmung des Veranstalters untersagt ist.

Hierbei ist der Unterschied zwischen einem gewerblichen oder einem kommerziellen Weiterverkauf nicht zu übersehen. Ein gewerblicher Verkauf von Tickets liegt nach dem Gesetz dann vor, wenn man als Unternehmer iSd. § 14 BGB handelt, also derjenige, der bei Abschluss eines Rechtsgeschäfts in Ausübung seiner gewerblichen oder selbständigen beruflichen Tätigkeit handelt. Es kommt daher ganz überwiegend auf den Zweck des An- und Verkaufs der Tickets, wobei eine Gewinnerzielungsabsicht für ein gewerbliches Handeln nicht unbedingt nötig ist. Die Gerichte stellen vielmehr auf die Anzahl der Verkäufe innerhalb eines bestimmten Zeitraums, einen wiederholte Verkauf von gleichartigen Artikel oder auch eine die professionelle Aufmachung des Auktionsangebotes ab, womit jeder Einzelfall speziell begutachtet und bewertet werden muss. Wird in den Allgemeinen Ticket Geschäftsbedingungen sogar der kommerzielle Weiterverkauf untersagt, sind die Voraussetzungen noch strenger. Kommerziell handelt nämlich schon derjenige, der ein Tickets kauft, um dieses anschließend mit Gewinn zu veräußern. Dies wird ganz besonders bei Sofortkauf-Auktionen mit einem höheren Startpreis als dem ursprünglichen Bezugspreis des Tickets angenommen. Der Verkauf eines Tickets auf eBay ist daher nur als privates Angebot ohne Gewinnerzielungsabsichten möglich.

Weitere Nachteile beim Online-Verkauf auf eBay

Doch selbst diejenigen, die weder gewerblich noch kommerziell Tickets auf eBay verkaufen, laufen Gefahr, bei einer einzigen Auktion schon abgemahnt zu werden. Denn bei einem Verkauf sind nicht nur die Allgemeinen Ticket Geschäftsbedingungen zu beachten, sondern auch alle weiteren Rechte der Bundesligisten. Je nachdem, wie das Angebot daher auf die Auktionsplattform gestellt wurde, kann daher auch ein Verstoß gegen das Markenrecht oder das Urheberrecht vorliegen.

Viele Verkäufer nutzen beispielsweise Fotos, das Vereinslogo oder den Stadionplan des austragenden Fußballvereins, nicht zuletzt um das Angebot attraktiver zu gestalten und mehr Aufmerksamkeit zu generieren. Hierin liegt in den überwiegenden Fällen eine Rechtsverletzung, beispielsweise ist die Abbildung des Vereinslogos und des Stadionplanes eine Urheberrechtsverletzung. Auktionen, die gegen das Urheberrecht verstoßen, können vom Rechtsinhaber sodann gestoppt werden, indem eBay hiervon in Kenntnis gesetzt wird. Die Auktionsplattform wird danach ihren Pflichten nachkommen und die Auktion beenden sowie die Daten des Verkäufers an den Veranstalter herausgeben.

Einem solchen Verkäufer droht in allererster Linie eine Abmahnung. Bei einem kommerziellen, gewerbsmäßigen oder zumindest wiederkehrendem Verkauf von Tickets durch eine Person sind darüber hinaus weitere Strafen denkbar, so beispielsweise eine Kaufsperre, ein Stadionverbot, eine Vertragsstrafe und weitergehende zivil- und strafrechtliche Ansprüche.

Abmahnung – womit muss gerechnet werden?

Eine Abmahnung ist in der Regel dreigeteilt. Zunächst wird das Unterlassen der abgemahnten Handlung verfolgt, womit dem Abgemahnten klargemacht wird, dass das Verhalten rechtswidrig ist, der Ticketverkauf also gegen Rechte des Fußballvereins verstößt. Darüber hinaus wird die Abgabe einer strafbewehrten Unterlassungserklärung verlangt, was nichts anderes bedeutet als eine Verpflichtung, das abgemahnte Verhalten in der Zukunft zu unterlassen. Unterzeichnet man diese Erklärung und verstößt in der Folge hiergegen, sind empfindliche Vertragsstrafen denkbar, welche meist ebenfalls in der Abmahnung aufgeführt sind. Dies können mehrere Tausende Euro sein. Zuletzt wird die Zahlung eines Geldbetrages gefordert, welcher die Anwaltskosten für die Abmahnung darstellen. Dieser beträgt meist zwischen 500€ und 1000€.

Abmahnung am Beispiel der Borussia Dortmund GmbH & Co KGaA

Um eine für den Verkauf von Tickets ausgesprochene Abmahnung besser darzustellen, soll eine solche am Beispiel einer Abmahnung durch die Borussia Dortmund GmbH & Co KGaA dargestellt werden.

In der Abmahnung wird dem Verkäufer zunächst vorgeworfen, ein Ticket für ein bestimmtes Spiel im Internet, beispielsweise über die Auktionsplattform eBay, verkauft zu haben, was das abgemahnte Verhalten darstellt. Hiernach werden die Allgemeinen Ticket Geschäftsbedingungen aufgeführt, um dem Verkäufer aufzuzeigen, gegen welche Normen er verstoßen haben soll. Im Fall der Borussia Dortmund GmbH & Co KGaA ist dies beispielsweise Punkt 6 Absatz 2 und 5 der ATGB.

Wurde das Angebot mit einem Foto, dem Vereinslogo oder einem Stadionplan angeboten, so wird dies des Weiteren als abgemahnte Handlung angezeigt und als Urheberrechtsverletzung ausgemacht. Neben der obligatorischen strafbewehrten Unterlassungserklärung liegt die Zahlungsforderung der Borussia Dortmund GmbH & Co KGaA meistens in einem Bereich von 800€. Für den Fall, dass die strafbewehrte Unterlassungserklärung nicht fristgerecht und unterschrieben zurückgesendet wird, behält sich die Borussia Dortmund GmbH & Co KGaA die Möglichkeit vor, ein Stadionverbot auszusprechen. Hierdurch soll weiterer Druck auf den Abgemahnten entstehen.

Neben der Borussia Dortmund GmbH & Co KGaA sind auch andere Fußballvereine abmahnend tätig, so beispielsweise Bayern München, Werder Bremen oder Borussia Mönchengladbach.

Was tun bei Abmahnung?

Wenn Sie eine Abmahnung erhalten haben, sollten Sie bei aller Aufregung unbedingt Ruhe bewahren und keine voreiligen Handlungen begehen. Kontaktieren Sie beispielsweise nicht die Gegenseite – die gegnerischen Anwälte bzw. der Fußballverein werden nicht in ihrem Interesse handeln, sodass eine Kontaktaufnahme sinnlos ist.

In der Abmahnung finden sich oft nur sehr kurzen Fristen und strenge Formulierungen, im aufgezeigten Beispiel sogar die Androhung eines Stadionverbotes. All das soll in erster Linie Druck ausüben, Sie verunsichern und zu einem vorschnellen Handeln treiben. Denn vorschnelles Handeln ohne genaue Kenntnis der Rechtslage sorgt in der Regel dafür, dass Abgemahnte allen Forderungen nachkommen. Dies kann jedoch kontraproduktiv sein und zu weiteren Problemen im jeweiligen Einzelfall führen – beispielsweise wenn die Abmahnung fehlerhaft ist oder sie auch in Zukunft ausschließlich privat Tickets anbieten wollen.

Sie sollten daher keinesfalls die vorgegebene Unterlassungs- und Verpflichtungserklärung unterschreiben, ohne einen Anwalt vorher gesprochen zu haben. Oft enthalten diese viel zu weite Verpflichtung und sind für lange Zeit bindend. Seien sie ebenfalls vorsichtig, was „modifizierte“ Erklärungen aus dem Internet angeht, da diese oft nicht auf den jeweiligen Einzelfall passen oder unvollständig formuliert sind, was zu weiteren Problemen führen kann. Nur ein Anwalt kann Ihnen genau sagen, worauf es ankommt.

Bei jedweder Unsicherheit sollten Sie sich daher von einem Fachmann, wie es ein Anwalt für IT- und IP-Recht ist, beraten lassen. Dieser kann Ihnen genau erklären, worauf es im konkreten Einzelfall ankommt und steht Ihnen nicht nur mit Rat, sondern auch mit Tat zur Seite. Überlassen Sie der Gegenseite nicht das Feld, machen Sie Gebrauch von unserer Expertise und der kostenlosen Erstberatung.

 
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3 Kommentare zu “Abmahnung wegen Ticketverkauf auf eBay
  • 11. März 2016 um 14:21
    Daniel sagt:

    Finde ich gut ! Sonst schwärzt Herr Gerrit Schulz immer andere bei Bayern an!!

  • 29. Oktober 2015 um 08:24

    Sehr geehrter Herr Schulz-Telschow,

    zunächst vielen Dank für Ihre Wortmeldung zum Thema Abmahnung wegen eines Ticketverkaufs auf eBay Kleinanzeigen. Sie sind nicht der einzige Betroffene, der in eine solche Situation gerät. Ich schlage vor, dass Sie uns die Abmahnung digital zuschicken (kanzlei@recht-freundlich.de) und uns unverbindlich und kostenlos anrufen. Dann besprechen wir direkt, inwieweit wir Ihnen helfen können und was eine Beauftragung konkret an Kosten für Sie bedeuten würde.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Rechtsanwalt Thomas Feil.

  • 28. Oktober 2015 um 13:15
    Alexander Schulz - Telschow sagt:

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    ich habe Karten von Borussia Mönchengladbach verkauft, jedoch habe ich die Karten bei Kleinanzeigen
    zum Normalpreis angeboten und verkauft. Der Käufer der Karten hat die Karten aber teuer auf ebay
    verkauft und nun habe ich eine Abmahnung diesbezüglich erhalten. Ich soll nun 500€ zahlen.
    Können Sie mir bitte eine kurze Einschätzung der Lage nennen und mir mitteilen was Ihre
    beauftragung kosten würde?

    Gruß

    Gerrit Schulz – Telschow

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