Akteure im Urheberrecht (Urheber, ausübender Künstler, Tonträgerhersteller)

Das Urheberrechtsgesetz (UrhG) betrifft eine Vielzahl von Akteuren – drei davon stellen wir nun vor.

Urheber – Schöpfer und Mittelpunkt

Im Mittelpunkt des kulturellen Lebens und am Anfang der kulturellen Leistungskette steht immer ein schutzfähiges Werk des Urhebers. Der Urheber wird als „Innovator“ bezeichnet. Dabei ist die soziale und finanzielle Lage insbesondere für freiberufliche Urheber bedenklich schlecht. Einerseits wissen die Urheber nicht, ob sie zu Lebzeiten den „Nerv der Zeit“ treffen und somit überhaupt ein Publikum erreichen, und andererseits müssen auf dem Weg zur Werkschaffung und im künstlerischen Entwicklungsprozess enorme persönliche und soziale Schwierigkeiten in Kauf genommen werden. Deshalb soll der Urheber an dem wirtschaftlichen Nutzen der Werkverwertung beteiligt werden, soweit das Werk an einen Verwerter übergeben wurde.Dem Urheber ist in der Kulturwirtschaft am meisten daran gelegen, dass sein Werk gemäß der eigenen Intention den Zugang zum Publikum findet, dabei nicht entstellt oder herabgewürdigt wird, und er den vollen Umfang der Verwertungsrechte selbst bestimmen kann. In den meisten Fällen haben Urheber weder unmittelbaren Zugang zu den Nutzungsinteressenten, noch die Möglichkeit, etwaige Rechtsverletzungen selbst zu entdecken.Die Urheber bedienen sich deshalb zwecks erleichterter Rechtewahrnehmung der Verwertungsgesellschaften (z.B. GEMA oder VG WORT). Die Verwertungsgesellschaften überwachen die Werknutzung für den Urheber und ziehen die Entgelte von den Verwertern ein, um sie nach eigenen Verteilungsplänen wieder an die Rechteinhaber auszuschütten. Um neben der Rechtewahrnehmung auch ein weites Publikum zu erreichen, sind die Urheber auf die interpretatorische Leistung von ausübenden Künstlern, die technischen Aufnahmemöglichkeiten der Tonträgerhersteller und das Organisations- und Investitionsvermögen der Veranstaltern angewiesen. Die Interessen der Urheber und der Verwertungsindustrie brauchen hierbei nicht notwendig in Gegensatz zu treten, denn auch die Urheber sind zwecks Werkvermittlung daran interessiert, dass Verwerter gegenüber Dritten ausreichend geschützt werden.

Ausübender Künstler – der Interpret

Als ausübender Künstler wird gem. § 73 UrhG derjenige bezeichnet, der ein Werk oder eine andere Ausdrucksform der Volkskunst aufführt, singt, spielt oder auf andere Weise darbietet oder an einer solchen Darbietung künstlerisch mitwirkt. Es geht also um die künstlerische Leistung der Interpretation eines (regelmäßig) fremden Werks. Heutzutage ist es üblich, dass der Interpret (z.B. Popmusiker) stärker in dem Vordergrund rückt als der Urheber des dargebotenen Werks.Durch die Live-Darbietung und die technisch fixierten Interpretationen eines schutzfähigen Werkes sind die ausübenden Künstler als bedeutende Kulturvermittler und „Publikumsmagneten“ anzusehen. Die ausübenden Künstler sind daher in der Kulturwirtschaft nicht mehr wegzudenken, sodass auch sie eine möglichst hohe Vergütung für sich beanspruchen und darüber hinaus, ähnlich dem Urheber auch ideelle Interessen bezüglich ihrer interpretatorischen Leistung haben. Die ausübenden Künstler unterliegen dabei in ähnlicher Weise wie die Urheber der sozialen Unsicherheit, so betrug das jährliche Durchschnittseinkommen eines ausübenden Künstlers im Jahre 2011 nur knapp 13500 Euro. Als geistig bestimmte körperliche Betätigungen bleiben sie an die Person des Darbietenden gebunden, auch wenn sie in Ton und Bild festgelegt und somit reproduziert und verbreitet werden können. So sind auch die ausübenden Künstler auf einen ihnen günstig gestellten Verwertungsprozess angewiesen. Sie lassen sich durch Verwertungsgesellschaften (GVL) in ihrer Rechtewahrnehmung vertreten. Ausübende Künstler benötigen für ihre Arbeit ein schutzfähiges Werk, welches sie interpretieren und darbieten können und sind daher in erster Linie auf die schöpferische Leistung des Urhebers und die Einräumung seiner Nutzungsrechte angewiesen. Darüber hinaus benötigen sie für ihre Darbietung vor einem großen Publikum (Live-Darbietung) die Leistungen des Veranstalters als Organisator und für die technisch fixierte Interpretation (z.B. CD) die Aufnahmeleistungen der  Tonträgerhersteller.

Tonträgerhersteller – das Recording

Der Hersteller eines Tonträgers nimmt Laute wie Musik oder gesprochene Texte erstmalig auf einen Tonträger auf.Damit ist teilweise ein erheblicher, wirtschaftlicher Aufwand verbunden, durch den die breite Masse erst die Laute wahrnehmen kann. Die Tonträgerhersteller sind somit Kulturvermittler, durch welche die Darbietungen eines Interpreten und das Werk des Urhebers auf ein Publikum treffen. Es darf angemerkt werden, dass für den Erfolg einer Vielzahl von ausübenden Künstlern und dadurch auch der Urheber die Tonträgerhersteller verantwortlich sind, die durch ihre Investitionskraft besonders „Newcomer“ einem breiten Publikum vorstellen können. Die Tonträgerhersteller unterliegen durch die technische Entwicklung (z.B. zunehmende Digitalisierung) einem ständigen Wandel. Gerade durch die heutigen Möglichkeiten, ohne große Schwierigkeiten alle Tonträger in ausreichender Qualität und in allen Stückzahlen nachzuahmen, ist den Tonträgerherstellern besonders daran gelegen, dass Dritte nicht unbefugt ihre Tonaufnahmen verwerten. Für die Tonaufnahmen eines schutzfähigen Werkes benötigen die Tonträgerhersteller einerseits die eingeräumten Nutzungsrechte des Urhebers, der das Werk erschafft, und andererseits jene des ausübenden Künstler, der das Werk darbietet, und in den Fällen einer Live-Aufnahme auch noch die eingeräumten oder übertragenen Nutzungsrechte eines Veranstalters, der die Live-Darbietung veranstaltet.

 
1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (Noch keine Bewertungen)
Loading...

Rechtsanwalt Thomas Feil in den Medien

Schreibe einen Kommentar
Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Sie können folgende HTML-Tags benutzen:

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong> 

*
*